Get to Know Me – Daniel Weißer

Seit Beginn des Jahres ist er der musikalische Leiter der Stadtmusik und
voller Tatendrang dabei – wir haben Daniel zum Gespräch getroffen

Daniel: Ich fand Dirigieren schon immer faszinierend. Schon als Jugendlicher habe ich Dirigenten immer gerne beobachtet – allein schon wegen der Ästhetik. Und obwohl man als Dirigent tatsächlich kein Instrument wirklich spielt, fühlt es sich für mich so an, als würde ich alle Instrumente gleichzeitig spielen. Mal dirigiere ich die Trompeten, mal die Saxophone und dann wieder das ganze Orchester. Das ist sehr abwechslungsreich und reizvoll.


(lacht) Gute Frage. (überlegt) Ganz klar das Ziel. Das Konzert ist der Moment auf den man so lange hinarbeitet. Ein Konzerterlebnis, bei welchem man loslassen kann, weil man dem Orchester vertraut und weiß, dass alles funktionieren wird, genieße ich immer sehr. Proben machen natürlich auch Spaß, aber der Weg zum Ziel kann hin und wieder auch sehr steinig sein. Deshalb habe ich beim Dirigieren immer das nächste Ziel im Kopf.

Ich versuche kurz bevor ich ans Dirigentenpult trete sehr fokussiert zu sein. Deshalb gönne ich mir vor dem Konzert gerne zehn Minuten Ruhe, um die Energie und den Fokus, den ich später im Konzert brauche, zu sammeln.


Vor allem die Klangfarbe. Jedes Orchester hat seine eigene. Dann höre ich auf die Klangkultur der einzelnen Register: Artikulation, Intonation und wie homogen die Gruppen zusammenspielen; spielt ein Register eher weich oder hart? Ich habe zwar einen Wunschklang in meinem Kopf, aber ich arbeite immer mit dem Klang, den ein Orchester schon hat und versuche diesen in die Richtung weiterzuentwickeln, die ich mir vorstelle, aber ohne die Essenz des jeweiligen Orchesterklangs zu verlieren.

Eine Probe sollte zu allererst gut besucht sein, einfach weil die Musik dann so erklingen kann, wie sie komponiert wurde – das ist ein wichtiger Baustein. Wenn wichtige Stimmen fehlen, kommt man nie an den Punkt, an dem es gut klingt und es fühlt sich nur nach Üben, nicht aber nach Musizieren an. Abgesehen davon gehört für mich zu einer gelungenen Probe, dass es bei gewissen Stellen „klick“ macht. Wenn also an der ein oder anderen Stelle der sprichwörtliche „Groschen gefallen“ ist und diese damit nachhaltig besser wird.
Eine gute Probe lebt in meinen Augen auch von einem harmonischen Miteinander zwischen Dirigenten und Orchester. Eine Mischung aus gemeinsamem Lachen und konzentrierter Probenarbeit schätze ich sehr.

Ja, auf jeden Fall, denn im Konzert ändert sich meine Rolle. Bin ich in den Proben quasi „Polizist“, der zuhört und darauf achtet, dass alles möglichst richtig gespielt wird, lasse ich im Konzert mehr los und sehe mich eher als „Guide“. Ich gebe dem Orchester mehr Raum, weil der Rahmen steht und versuche mehr Emotionen und Energie zu vermitteln. Bei schwierigen Stellen muss mein Dirigat natürlich sehr klar bleiben, aber in elegischen oder ruhigen Abschnitten lasse ich gerne mal los und gebe dem Orchester den nötigen Freiraum.


Das ist ein Prozess, der Zeit braucht. Ich glaube, wir haben in der kurzen Zeit schon viel erreicht, aber wir sind natürlich noch längst nicht am Ende. Ein Orchester muss neue Spielweisen erst verinnerlichen und irgendwann setzt dann das Transferwissen ein: Wenn klar ist, dass man in symphonischer Musik anders phrasiert oder Zählzeiten anders gewichtet, wird vieles irgendwann selbstverständlich. Das braucht Geduld. Aber am Anfang heißt es einfach immer: “Steter Tropfen höhlt das Hirn”. (lacht)

Qualität. Ein Akkord stimmt oder er stimmt nicht. Zusammenspiel ist präzise oder nicht. Rhythmus stimmt oder nicht. Darüber kann man nicht diskutieren. Für meine Arbeit ist Qualität ein Grundprinzip.

Weihnachtskonzert 2024 – Foto: Rainer Langenbacher 48°GradNord

Die Atmosphäre in den ersten Monaten habe ich als sehr positiv und offen wahrgenommen. Ich habe mich schnell bei euch wohlgefühlt und hatte relativ früh den Eindruck, dass die Stadtmusik und ich sehr gut zusammenpassen. Trotzdem dreht sich im ersten Jahr vieles um das gegenseitige Kennenlernen: Ihr müsst meine Dirigiersprache verstehen, ich eure Bedürfnisse. Jedes Orchester braucht etwas anderes – manche ein strengeres Durchgreifen, andere das Gegenteil. Bei der Stadtmusik sind die Register sehr unterschiedlich und ich gehe immer vom Positivem aus, dass jeder sein Bestes gibt. Ich versuche an schwierigen Stellen Hilfestellung zu leisten und zu zeigen wie eine Passage funktionieren kann.

Jede Probe ist eine Herausforderung, weil ich nie weiß, was mich erwartet – und weil ich natürlich meine für die Probe gesteckten Ziele erreichen will. Ich mache mir selbst einen gewissen Druck vor dem Orchester der beste Dirigent zu sein, der ich sein kann, damit im Gegenzug auch das Orchester alles gibt. Ein weiterer Punkt, der mich immer schon herausgefordert hat ist die Programmauswahl: Die Stücke müssen vom Schwierigkeitsgrad genau passen. Auch hier ist das gegenseitige Kennenlernen enorm wichtig.


 Für mich ist ein guter Klang wie eine Wolke: rund, homogen, leicht und trotzdem voll. Eure Wolke ist schon da – sie könnte nur an manchen Stellen im sinfonischen Bereich noch ein bisschen weniger kantig und etwas dunkler werden. Euren Klang empfinde ich aktuell als eher hell, da die hohen Register viel präsenter sind als die Register der mittleren oder tiefen Lage.

Was euch besonders auszeichnet, ist eure musikalische Vielfalt: Ihr deckt unglaublich viele Genres glaubwürdig ab. Dieser Facettenreichtum ist großartig. Und: In jedem Register sitzen sehr fähige Musikerinnen und Musiker. Intonation ist ein großes Thema – in diesem Bereich haben wir noch etwas Luft nach oben. Außerdem darf der Gesamtklang noch etwas homogener werden; die Wolke, von der ich eben gesprochen habe, darf noch etwas runder werden.

Die Stadtmusik war für mich durch meinen Instrumentallehrer Walter Böcherer, der damals euer Dirigent war, immer sehr präsent und daher hatte ich immer ein sehr positives Bild von euch. Vor vielen Jahren durfte ich einmal ein Solokonzert mit euch spielen und auch damals war ich beeindruckt, wie gut das Orchester klingt. Daher bin ich sehr dankbar, dass ich nun selbst mit euch arbeiten darf.


Bei der Arbeit mit Blasorchestern schätze ich die enorme Abwechslung, die diese Aufgabe mit sich bringt. Sowohl was die unterschiedlichen Genres betrifft, welche ein Blasorchester abdecken kann, aber auch die Bandbreite der unterschiedlichen Auftritte das gesamte Jahr über. Bei der Stadtmusik beeindruckt mich die Organisationsstruktur und wie selbstständig die verschiedenen Gremien arbeiten – im Hintergrund läuft unglaublich viel; in den Stadtmusik WhatsApp-Gruppen herrscht daher nie Ruhe (lacht). Die Struktur ist hervorragend, und der Probebesuch ist wirklich gut. Außerdem schätze ich euren Zusammenhalt, besonders auch innerhalb der jüngeren Generation, die wahnsinnig engagiert ist. Die Gemeinschaft ist stark, harmonisch und trägt das Orchester.

Ich halte es für wichtig, dass wir uns öffnen und aktiv auf Menschen zugehen. In einem Projekt, das gerade mit Jonas Urbat entsteht, begleite ich konzeptionell genau dieses Thema. Da können wir viel lernen und das ein oder andere vielleicht auf die Stadtmusik übertragen. Vielfalt wird ein zentrales Zukunftsthema sein. Es ist generell wichtig für Vereine, gerade auch hier in der Gegend, dass wir vielfältiger werden.

Ich sehe es als meine Aufgabe, die erfolgreiche Arbeit von meinem Vorgänger Meinrad Löffler weiterzuführen, das Niveau zu halten oder sogar noch zu steigern. Gerade das letztjährige Weihnachtskonzert war wahnsinnig gut. Außerdem möchte ich die Stadtmusik über die Stadtgrenzen hinaus sichtbarer machen – denn die Stadtmusik ist ein Klangkörper, der vieles leisten und bewegen kann. Sei dies durch besondere Konzertformate, Kooperationen, Auftragswerke, oder einfach, dass man Wege geht, die nicht jedes Orchester geht. Hierzu sind besonders auch die Synergien wichtig, die wir hier in der Gegend nutzen können. Literatur generell ist mir sehr wichtig, denn nur durch neue Kompositionen entwickelt sich die Blasorchesterszene als Ganzes weiter und bleibt lebendig.

Zur Person: Daniel Weißer

Alter: 35
Wohnort: Hardt
Geboren in: Schramberg

Ausbildung: Bachelor Posaune (HfM Karlsruhe), Master Blasorchesterdirektion (Basel), div. Meisterkurse im Dirigieren

Dirigieren: MV Concordia Hardt (seit 2015), Stadtmusik Bonndorf (seit 2018), Stadtmusik Schramberg (seit 2025).

Unterrichten: Seit 2017 Lehrer für tiefes Blech an der Musikschule Schramberg.

Auszeichnungen & Highlights: Landespreise »Jugend musiziert«, UNIBRAL-Stipendium (Rio), WASBE-Stipendium (Los Angeles), Meisterkurse u. a. bei Sir Simon Rattle & Frank Ticheli.

Publikationen: Beiträge im Blasmusikblog & WASBE World Magazin.

Hobbys: Joggen, Skifahren (Langlauf & Alpin), Arrangieren für Blasorchester, Lesen.